Seminar: "re*frame remembering - FILMISCHE FORMEN DER ERINNERUNG" im SoSe 2019

re*frame remembering - FILMISCHE FORMEN DER ERINNERUNG

Dozentin: Jana Seehusen

Beteiligte externe Partner*in: FONTE Stiftung

Studiengang/Studiengänge: IKF  Institut für künstlerische Forschung

Kurssprache Englisch möglich: Ja

Zeit & Ort: Projektwoche 17.-21.06.2019, 10:00 – 17:00 Uhr 

Offen für: BA 6.Semester und Master-Studierende (wiss. und künstl. Studiengänge)

Maximale Teilnehmerzahl: 20

Leistungspunkte: 2 ECTS

Anmeldung: g.marten@filmuniversitaet.de bis 14.04.2019

Beschreibung: re*frame remembering "The act of remembering is an interpersonal process that oscillates between historicity and subjectivity."1 Filmische Formen der Erinnerung, ihre Figuren und Verfahrensweisen erschöpfen sich mitnichten in der konventionellen Rückblende. Wie mit Memoryscapes. Filmformen der Erinnerung (2014)2 aufgefächert, deuten ‚flashbacks’ und ‚flashframes’, ‚blackouts’, ‚whiteouts’, ‚missing shots’ und ‚re-enactments’ bereits an, wie vielfältig die Verfahren sind, durch die Erinnerung als Filmische ins Bild gesetzt und Kino zum Mnemo-Apparat wird.3 Wann, wie und unter welchen Umständen werden sie zu ‚flashforwards‘4?

Das Seminar verknüpft die grundlegende Zusammenschau verschiedener Darstellungsformen und Verfahrensweisen von Erinnerung im Film mit Forschung als filmischer Praxis von Entwurf und Transfer. Erforscht wird das Zusammenspiel von historischen Gedächtniskonzeptionen, Erinnerungspraktiken und ihren filmischen (Kon)Figurationen. Die Arbeiten spannen einen zeitlichen Bogen von „Gedächtnis und Kino um 1900“ (mit Heike Klippels Analyse und Rekonstruktion experimentalpsychologischer Gedächtnistheorien im Verhältnis zu filmischen Erinnerungsverfahren in „Le mystère des roches de Kador“ (F 1912, Léonce Perret)) bis zu Lola Arias zwischen dokumentarischem und fiktiven, inszenierten und performativen Umgang mit Kriegstraumata in ihrem Film Theatre of War (2018). Wie auch mit Ana HoffnersPhD-in-Practice-Projekt  The Queerness of Memory  (A 2018) stehen damit  Praktiken von Erinnerungmit filmischen Mitteln zur Diskussion, die zugleich neuartige Therapieformen psychischer Traumata innerhalb der jeweiligen spezifischen Kontexte genderkritisch und transgenerational entwerfen.

Ausgehend von filmischen Formen der Erinnerung, in denen sich verschiedene Figuren und Verfahrensweisen wie diese fragmentarisch verknüpfen und durchdringen entwickeln wir – zunächst einzeln, dann in Teams – Konzeptskizzen für Framing und Transfer einer prägenden Erinnerung. Im Ineinandergreifen von Film und Forschung wie Montage und Reflexion ein intersubjektives Unterfangen.

Ziele des Seminars:

  • Methodisches Erfassen verschiedener Formen, Figuren und Verfahrensweisen filmischen Erinnerns (u.a. mit Diskussion von Erscheinungsformen wie flashbacks, flashframes, blackouts, whiteouts, missing shots, re-enactments u.a. sowie nichtlineare, iterative und fragmentarische Verfahrensweisen)

  • Potenziale non-linearer Formen und fragmentarischer Formierungen von Film ausloten, die Erinnerung audio-visuell rahmen und zugleich transformieren (re*framing)

  • Das Ineinandergreifen von Darstellung, Wahrnehmung und Reflexion im Film als offenen Forschungsprozess bewusst machen und mittels verschiedener Figuren und Verfahrensweisen filmischen Erinnerns für die eigene Praxis anwendungsbezogen handhabbar machen.

  • Erstellen von Konzeptskizzen einer wiederkehrenden Erinnerung oder prägenden Erfahrung in mehreren möglichen (Schnitt)Varianten

  • Erforschung des Zusammenhangs von Filmschnitt und Erinnerungsprozessen/ -logiken

 

Voraussetzung: Interesse an künstlerischer Forschung mit Film und im Film

 

Jana Seehusen, Autorin und Künstlerin, forscht zu Sprach- und Handlungsweisen des Zwischen, des Dritten und der Verschiebung sowie Fragen von Un\Sichtbarkeit, Identitätspolitiken und Experimenteller Filmkunst. Im Schreiben mit Denkfiguren sind ihre jüngsten Publikationen: Performing Documentary. Birgit Kohler im Gespräch mit Jana Seehusen” (2014), “Echo: Lauter widerständige Entwürfe. Künstlerische Praktiken von Korrespondenz und Transfer” (2015), “How to perform entangled memories: Vom Sehen im Nichtsehen” (2016), “Imagine Another Topology! Zu Time to Sync or Swim von Katrin Mayer & Eske Schlüters” (2016). Visualität und Abstraktion. Eine Aktualisierung des Figur-Grund-Verhältnisses, mit Hanne Loreck (Hg.) (2017). Seehusen kuratierte mit Kathrin Becker (Leitung Videoforum n.b.k. Berlin) im Rahmen der multi-kuratorischen zeitgenössischen Online-VideokunstplattformD’EST: The Suspension and Excess of Time im Juni 2018.

 

1 Siehe Mieke Bal, “Memory Acts: Performing Subjectivity”, boijmans bulletin 1.2 (2001): 8–18.

2 Tagung und Publikation: Memoryscapes. Filmformen der Erinnerung (2014)

3 Mit Kinematographie als Mnemographie wird im Seminar nach filmischen Formen der Erinnerung und dem spezifischen Gedächtniswissen des Films sowie seinen Erfahrungslogiken an der Grenze zwischen Geschichte und Fiktion oder – anders ausgedrückt – zwischen dem Historischen und dem Imaginären (Susanne Leeb, TzK 2009) als einem intersubjektiven Prozess gefragt.

4 Zur Denkfigur flashforward siehe Jana Seehusen, “flashforward. Eine widerständige Szene”, in: Bewegungsformen. folgendes. Hgg. von Heike Mutter / Wiebke Schwarzhans, Hamburg 2016.