Hon.-Prof. Volker Schlöndorff

Honorarprofessor für Regie

Volker Schlöndorff, Jahrgang 1939, stammt aus Wiesbaden und ist einer der bedeutendsten und international erfolgreichsten deutschen Regisseure. Er besitzt eine Vorliebe für Verfilmungen deutscher wie internationaler Literaturklassiker und widmet sich insbesondere Werken, die als unverfilmbar gelten. Schlöndorff hat sich aber auch mit gesellschaftskritischen Arbeiten einen Namen gemacht.

Volker Schlöndorff verbrachte seine Kindheit in Schlangenbad und einen Großteil seiner Jugend in Paris. Hier vollendete er seine Schulbildung, studierte in Paris Politikwissenschaft und legte schließlich den Grundstein für seinen Weg zum Film: als Regieassistent von Louis Malle, Alain Resnais und Jean-Pierre Melville. 1965 entstand Schlöndorffs erster eigener Film DER JUNGE TÖRLESS mit Mathieu Carrière. Die Musil-Adaption wurde mehrfach ausgezeichnet und gilt als erster internationaler Erfolg des jungen deutschen Films. Es folgten viele weitere Filme wie der boshafte Genre-Mix MORD UND TOTSCHLAG (1967), der westernartige MICHAEL KOHLHAAS – DER REBELL (1969), der Heimatfilm-Ausflug DER PLÖTZLICHE REICHTUM DER ARMEN LEUTE VON KOMBACH (1970) oder die Emanzipationsgeschichte STROHFEUER (1972).

Mit DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM (1975) gelang Schlöndorff auch der Durchbruch an den deutschen Kinokassen. Die Heinrich-Böll-Adaption drehte er zusammen mit Margarethe von Trotta, mit der er bis 1991 verheiratet war. Die Verfilmung von Günter Grass’ DIE BLECHTROMMEL (1979) wurde der bisher wohl größte Erfolg des Regisseurs. Der Film gewann die Goldene Palme in Cannes sowie den Oscar® für den Besten fremdsprachigen Film und öffnete Schlöndorff international die Türen. Es folgten deutsch-amerikanische Produktionen mit Starbesetzung, wie etwa TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN (1985) mit Dustin Hoffman, die Max-Frisch-Adaption HOMO FABER (1991) mit Sam Shepard, DER UNHOLD (1996) mit John Malkovich oder PALMETTO (1998) mit Woody Harrelson.

Schlöndorffs Drama DIE STILLE NACH DEM SCHUSS über eine untergetauchte Terroristin erhielt auf der Berlinale den europäischen Friedenspreis „Blauer Engel“. Für DER NEUNTE TAG (2004) wurde der Regisseur mit dem Bernhard-Wicki-Friedenspreis des deutschen Films „Die Brücke“ geehrt, 2005 konnte er den Ehrenpreis des Bayerischen Filmpreises für sein Lebenswerk entgegennehmen. Für DIPLOMATIE (2014) gewann Schlöndorff einen César für das Beste adaptierte Drehbuch.

Neben seiner Tätigkeit als Filmregisseur inszeniert Volker Schlöndorff mit Begeisterung Opern und Bühnenwerke. Bei einigen seiner Filme arbeitete Schlöndorff mit Hans Werner Henze. Aus dieser Begegnung entstanden Operninszenierungen wie „Wir erreichen den Fluss“ von Hans Werner Henze, „Katja Kabanova“ und „Das Totenhaus“ von Leos Janacek sowie „La Bohème“ und „Lady Macbeth von Mzensk“.

Zudem hat Volker Schlöndorff sich für die Erhaltung des Studios Babelsberg engagiert, um dieses vor der Schließung zu retten und eine historische Stätte für die Filmwelt zu erhalten. Von 1992 bis 1997 war er Geschäftsführer des Filmstudios Babelsberg. Seit 2001 ist er Vorsitzender des Vereins Europäisches Filmzentrum Babelsberg. Er lehrt Film an Andrzej Wajdas Filmschule in Warschau, an der Universität Mexico und in Babelsberg, in Afrika unterstützt er die KWETU Filmschule in Ruanda.

„Das Beste, was ich vielleicht gemacht habe, sind meine Memoiren‚ Licht, Schatten und Bewegung‘ – nur konnte ich sie leider nicht schreiben, bevor ich gelebt und die Filme gemacht hatte…“

Fachgebiet

Regie

Filmografie

  • 2017 RÜCKKEHR NACH MONTAUK (RETURN TO MONTAUK)
  • 2014 DIPLOMATIE
  • 2012 DAS MEER AM MORGEN
  • 2007 ULZHAN – DAS VERGESSENE LICHT
  • 2006 STRAJK – DIE HELDIN VON DANZIG
  • 2005 „Enigma – Eine uneingestandene Liebe“
  • 2004 DER NEUNTE TAG
  • 2002 TEN MINUTES OLDER
  • 2000 DIE STILLE NACH DEM SCHUSS
  • 1998 PALMETTO
  • 1996 DER UNHOLD
  • 1992 „Billy Wilder, wie haben Sie's gemacht?“
  • 1991 HOMO FABER
  • 1989 DIE GESCHICHTE DER DIENERIN
  • 1987 EIN AUFSTAND ALTER MÄNNER
  • 1985 TOD EINES HANDLUNGSREISENDEN
  • 1983 EINE LIEBE VON SWANN
  • 1982 KRIEG UND FRIEDEN
  • 1981 DIE FÄLSCHUNG
  • 1980 DER KANDIDAT
  • 1979 DIE BLECHTROMMEL
  • 1978 DEUTSCHLAND IM HERBST
  • 1977 NUR ZUM SPASS, NUR ZUM SPIEL
  • 1976 DER FANGSCHUSS
  • 1975 DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM
  • 1975 „Nouvelles de Henry James: Georginas Gründe“
  • 1974 „Übernachtung in Tirol“
  • 1972 STROHFEUER
  • DIE MORAL DER RUTH HALBFASS
  • 1970 DER PLÖTZLICHE REICHTUM DER ARMEN LEUTE VON KOMBACH BAAL
  • 1969 MICHAEL KOHLHAAS – DER REBELL
  • 1967 DER PAUKENSPIELER
  • MORD UND TOTSCHLAG
  • 1965 DER JUNGE TÖRLESS